Madness

 

Madness

von Braeckman

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Beim Betrachten von Videos über die alljährlich stattfindende TOC-Veranstaltung in Las Vegas war ich immer wieder von den unglaublichen Flugfiguren fasziniert, die mit entsprechenden Modellen möglich sind. Nun habe ich nie den Hang verspürt einen solchen Riesenvogel mit 3,0 m Spannweite zu besitzen, jedoch hatte es mir das Torquen sehr angetan.

Nachdem ich mich bei einigen Fliegerfreunden davon überzeugen konnte, dass so etwas auch mit den vergleichbar kleinen Fun-Flyern möglich ist, begab ich mich auf die Suche nach einem solchen Modell.
Mitte 2001 las ich in einer Fachzeitschrift einen Testbericht über die Madness. Obwohl ich mir einen eigenen Bewertungsmaßstab für solche Testberichte angewöhnt habe, konnte doch eigentlich eine Konstruktion von F3A Welt- und Europameister und TOC-Gewinner, Christophe Paysant-Le Roux, gar nicht so schlecht sein. Bei Braeckman nachgefragt wurde mir allerdings mitgeteilt, dass dieses Modell nur in ARF-Ausführung angeboten wird. Als alter Holzwurm bin ich nicht unbedingt ein Liebhaber von Fertigmodellen, habe mich aber dann doch zu einem Kauf entschlossen.

Eine Woche später wurde ein großes Paket abgegeben, in dem ich das Modell stoßsicher und sauber verpackt vorfand. Auffällig war das absolut perfekte Folienfinish, die Bauausführung ohne jeglichen Makel. Auch das beigepackte Zubehör ist komplett und auch von guter Qualität. Ruderhörner, Scharniere, Seilkzuganlenkungen, Fahrwerk, Leichträder, Tank, Schrauben und Kleinteile, es fehlte absolut nichts. Eine detaillierte Bauanleitung mit einzelnen Montageschnitten und genaue Angaben über Schwerpunktlage und Ruderausschläge rundete das Paket ab.

An den Tragflächen müssen lediglich die Querruder-Klappen mittels kleinen Kunststoff-Scharnieren angebracht sowie Servos, Ruderhorn und Anlenkungsgestänge montiert werden. Die Servoschächte sind ebenfalls vorhanden, hier wird nur in diesem Bereich die Folie ausgeschnitten und an den Schnittkanten wieder verbügelt. Das Einfädeln der Servokabel ist etwas zeitaufwendig, stellt aber keine größeren Probleme dar. Als Servos empfiehlt Braeckmann solche der C 4041er-Klasse, ich habe mich für die digitale Version DS 8041 entschieden. Zum Abschluss werden noch die beiden unteren Rumpfverkleidungen mit Silikon auf die Tragflächen geklebt damit wäre dieses Thema schon erledigt.

An den Leitwerken müssen gleichfalls zunächst die Höhenruder und das Seiteruder mit Scharnieren befestigt werden. Höhen- und Seitenleitwerk werden dann an den Rumpf geklebt, die Öffnungen und Schlitze sind dafür schon vorhanden und müssen lediglich von der Folie befreit werden. Die Höhenruder werden mit je einem Servo gesteuert, die fertigen Servoschächte befinden sich direkt vor der Dämpfungsfläche. Der Einbau erfolgt wie bei den Tragflächen, auch hier habe ich mich für DS 8081 entschieden.
Das Seitenruder wird über Stahllitze beidseitig angelenkt. Das Servo selbst, nochmals ein DS 8081, wird mittig im Rumpf auf einem ebenfalls beigefügtem Aufnahmebrett montiert, auf dem auch das Drosselservo Platz findet. Für dieses Brett sind in die Rumpfwandungen bereits Schlitze eingefräst, auch hier stellt die Montage also keine großen Anforderungen. Die Seilzüge werden durch vorhandene Schlitze aus dem Rumpfrücken zum Seitenruder geführt. Das Drosselservo erreicht die Vergaseranlenkung über einen Bowdenzug, hierzu reicht ein Standartservo C 501 aus. Der Tank ist komplett mit allen Beschlägen und wird hinter dem Motorspant platziert. Er kann später über eine geschraubte Abdeckung am Rumpfboden jederzeit erreicht werden. Auch nicht schlecht!

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Braeckmann empfiehlt verschiedene 2-Takt- und 4-Takt Motorisierungen, ich habe mich für die bewährte OS 46 FX-Variante entschieden in Verbindung mit dem Genesis-Pipe. Dieser Resonanzschalldämpfer ist speziell für den OS entwickelt worden und verleiht diesem Motor in Verbindung mit Luftschrauben entsprechender Steigung mehr Drehmoment. Dem Baukasten ist für die Montage des Motorträgers eine Bohrschablone beigefügt, welche die Positionierung des halb schrägen Motoreinbaus beim OS oder hängende Montage bei den 4-Taktern erleichtern soll.
Zunächst sollte das bei mir nicht so recht gelingen, da nach den Vorgaben der Bohrschablone der Dämpfer unter dem Rumpf keinen Platz fand. Nachdem ich etliche Fadenkreuze auf dem Motorspant gezeichnet hatte ist mir dann nach einiger Zeit aufgegangen, dass der Biegeradius des Krümmers wohl der Schuldige an meinen Einbauproblemen war. Die Krümmerkorrektur hat 30 Sekunden gedauert, die Erkenntnis dorthin allerdings über 3 Stunden!

Für die Abdeckung es Motors werden zwei Hauben mitgeliefert, eine klare aus Lexan und eine weiße aus GFK. Mit der Erstgenannten werden die Ausschnittskonturen angepasst und dann auf die GFK-Haube übertragen. So gelingen saubere Ausschnitte, das sollten sich andere Hersteller zum Vorbild nehmen.

Zum Abschluss werden noch Hauptfahrwerk und das nicht angelenkte Heckrad mittels Schrauben montiert, die Kabinenhaube zugeschnitten und mit Silikon festgeklebt.

Für die Wahl des Empfängerakkus habe ich mich auf die sichere Seite gelegt und 4 NiMh-Zellen mit einer Kapazität von 2100 mAh im Rumpf platziert. Hieraus ergibt sich natürlich ein Schwerpunkt, der nicht gerade begeistert. Breackmann empfiehlt hier eine Bandbreite von 100 mm bis 170 mm, von der Nasenleiste aus gemessen, wobei erst ab einer Schwerpunktlage von 150 mm echtes 3D-Feeling aufkommen lässt und bei 170 mm dem erfahrenen Piloten für extremste und verrückteste Flugmanöver vorbehalten ist. Der abschließende Gang auf die Schwerpunktwaage ergab dann 143 mm, wobei ich es denn auch zunächst einmal belassen habe. Für die ersten Gehversuche mit solchem Fluggerät sicherlich keine schlechte Entscheidung.

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Da ich mir im Herbsturlaub 2001 unglücklicher Weise den Mittelfuß gebrochen hatte, war die Flugsaison für mich frühzeitig beendet. Zeit genug also, um der Motorhaube einen schrillen Grünton zu verpassen und Motorspant und Tankraum mit Epoxy dauerhaft zu versiegeln, was sowieso noch überfällig war.

Der Erstflug sollte daher erst im Februar gelingen, wurde aber dann nochmals um eine Woche verschoben. Nach dem Anlassen des Motors und letztem Rudercheck sah ich von oben auf das Modell und dabei viel mir auf, dass der sichtbare Propeller-Kreis nach links gerichtet war, was einen negativen Seitenzug bedeutete.
Braeckmann gibt für Motorsturz und Seitenzug jeweils 0 Grad an, das bedeutet eigentlich, Motorträger einfach auf dem Motorspant montieren. Ein Startversuch mit negativen Seitenzug erschien mir doch sehr suspekt, also zusammen packen und im Hobbyraum überprüfen. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass der Motorspant ca. 2,0 Grad schief eingebaut war. Durch entsprechendes Unterlegen des Motorträgers wurde dass wieder korrigiert und ein zweiter Erstflugversuch unternommen.

Das Modell ist bei dieser Schwerpunktlage natürlich vollkommen unkompliziert zu steuern. Es ist nicht für weiträumiges und schnelles Fliegen konzipiert, sondern für Manöver auf engsten Raum. Nachdem man sich an die Eigenarten der extrem Ruderausschläge gewöhnt hat gelingen Rollen und Loopings auf und abwärts in Bodennähe ohne entsprechendem Adrenalinausstoß. Beim Messerflug und den ersten Torque-Versuchen merkt man die schlechte Schwerpunktlage, auch Flachtrudeln sieht nicht besonders prickelnd aus. Aber sicherlich ist diese Schwerpunktlage für mich als Fun-Flyer-Einsteiger eine gute Entscheidung, um sich mit solchem Fluggerät vertraut zu machen.

Nach ca. 6 Stunden Betriebzeit einschl. Einlaufphase auf dem Prüfstand hat der Motor schon deutlich an Leistung zugelegt. Auch mit 0% Nitro läuft er sehr zuverlässig, das Modell ist damit optimal motorisiert. Es ist jetzt bald an der Zeit, die Schwerpunktlage zu verändern um so zu fliegen, wie es Christoph Paysont-Le Roux so eindrucksvoll demonstriert. Obwohl, seine Perfektion werde ich wohl nie erreichen, was ich eigentlich auch gar nicht möchte!

 

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Technische Daten

Spannweite

149 cm

Länge

146 cm

Gewicht trocken

2250 gramm

Motor

OS 46 FX mit Genesis-Pipe

Luftschraube

APC 12 X 4W

Treibstoff

RD 16% Öl ,0% Nitro

Servos

Querruder

2 x DS 8041

Seitenruder

DS 8041

Höhenruder

2 x DS 8041

Drossel

C 501

Empfänger-Akku

4 x NiMh 2100 mAh

Ruderausschläge

Höhe

68 mm

Quer

75 mm

Seite

139 mm

April 2002

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